Barrierefreiheit im eCommerce

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Barrierefreiheit im eCommerce: Warum Inklusion ein Wettbewerbsvorteil sein kann

Am 15.11.2022 gaben Ulrike Peter und Rebecca Romppel von der Zentralstelle für Barrierefreie Informationstechnik der Freien Hansestadt Bremen einen Impulsvortrag zum Thema: „Digitale Barrierefreiheit in der Praxis- Wie ich meine Website für alle zugänglich mache“.

Unsere Mitarbeiterin Sarah Fox nahm an der Online-Veranstaltung teil, da sie kürzlich einen Einblick bekam, wie es sich anfühlt, auf Barrierefreiheit im digitalen Raum angewiesen zu sein:

„Zur Vorbereitung meiner Laser-Behandlung an den Augen hatte ich einen Termin, bei dem meine Augen mit Tropfen betäubt wurden. Als ich aus der Praxis hinausging, konnte ich nur noch sehr eingeschränkt Sehen. Auto- oder Fahrradfahren war unmöglich also ging es mit dem Bus zurück- aber welcher? Ich konnte auf den Plänen an der Haltestelle nichts erkennen, denn alles war viel zu klein.“

Mit Hilfe einer App wollte sie herausfinden, welcher Bus nun wo anhalten würde.

„Die eigentlich gut aufgebaute App war auf einmal nicht mehr sehr hilfreich. Die Farben hoben sich teilweise schlecht ab, vieles ließ sich nicht vergrößern bzw. heranzoomen. Irgendwie erwischte ich dennoch den richtigen Bus und wärend ich nach Hause fuhr, wollte ich noch eben etwas zu Essen bestellen, denn an einen Einkauf war nicht mehr zu denken.“

Doch beim Bestellen der Pizza online folgte die nächste Einsicht: Die Seite war trotz Einschränkung sehr gut bedienbar doch als der Bestellprozess vorangeschritten war, folgte eine Sicherheitsabfrage durch ein Captcha. Zwar war es keine Buchstabenabfolge vor verschwommenem Hintergrund (die neben Sehbehinderten auch andere Gruppen ausgrenzt) jedoch eine Frage, auf welchem Bild Hunde zu sehen seien.

„Ich habe erst verzweifelt, dann geschnaubt und schließlich geraten aber ein angenehmes Kauferlebnis war es sicherlich nicht, obwohl der Shop gut aufgebaut ist.“.

Aus diesem Erlebnis entstand die Fragestellung: Wie viele potentielle Kundengruppen verliert man, die man mit relativ geringem Aufwand halten könnte? Wie schnell brechen wir einen Bestellvorgang ab, wenn uns etwas nervt oder zu kompliziert wird und wechseln zu einem Konkurrenten, wo nicht auf die gleichen Barrieren gestoßen wird?

Bleiben wir beim Captcha: Oft gibt uns ein Theme eine Captcha-Variante vor und wir hinterfragen diese nicht. Doch wer war noch nicht von einem gimpy Captcha genervt, weil es zu viel Zeit in Anspruch nahm, die nahezu bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Buchstaben zu identifizieren? Wenn es Menschen ohne Beeinträchtigung nervt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es für Menschen mit Beeinträchtigung eine (nahezu) unüberwindbare Hürde darstellt.

Um die Usability zu steigern und Frust auf Kundenseite vorzubeugen, lohnt es sich also auf alternative Captchas zu setzen. So gibt es Captchas, die einfache Mathematik-Aufgaben stellen, zur Eingabe ausgeschriebener Zahlenfolgen aufrufen oder Logikaufgaben stellen, bei denen Formen oder Bilder einander zugeordnet werden sollen. Auch hier gilt zu bedenken: Die Gruppe der Legastheniker:inenn und Nicht-Muttersprachler:innen ist nicht gering und dankbar, wenn keine ausgeschriebene Zahlenfolge als Abfrage erscheint.

Barrierefreiheit ist in diesem Sinne auch ein Tool zur Qualitätssicherung. Sie schärft den kontinuierlichen Blick auf die Usability und kann auch für das Testing von IT-Produkten eine wertvolle Guideline bilden.

Mehr Tipps dazu, wie Barrierefreiheit ein frustfreies und möglichst angenehmes Einkaufserlebnis sicherstellen kann, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.

Photo by: Andres Ayrton via pexels.com

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