Moral im Arbeitsalltag

  • 29. November 2021
  • Sarah Fox
  • 4 min read

In vielen Berufen gibt es Ethikkommissionen die über die Eignung für einen Beruf entscheiden. Sie prüfen, ob das Herz am rechten Fleck sitzt, die moralischen Überzeugungen mit der auszuübenden Tätigkeit konform gehen und das Wohl des „Auftraggebers“ stets im Fokus ist.

Bei unserer täglichen Arbeit stellen uns Kunden oftmals folgende Fragen:

  • Wie lange wird es dauern?
  • Gibt es nicht auch eine schlankere Lösung?
  • Können wir das so und so machen?

Wir antworten gerne auf diese Fragen und liegen zugegebenermaßen auch mal daneben, wenn es um Zeiteinschätzungen oder Machbarkeit geht. Wir sagen unseren Kunden jedoch nichts zu, von dem wir nicht selber überzeugt sind und äußern Bedenken, wo immer wir welche haben. Wir setzen alles daran, unseren Worten Taten folgen zu lassen.

Doch hin und wieder begegnen uns Dienstleister, die mit spitzem Bleistift und viel heißer Luft aufwarten. Sie wickeln den Kunden ein und lassen ihn am Ende mit einer minderwertigen Lösung alleine zurück.
Sie bieten Kampfpreise an, die sie nicht halten können, versprechen technische Expertise, die sie nicht haben oder entwickeln Lösungen, die am Ende keine sind.

Zurück bleibt ein verunsicherter Kunde, mit einem System das fragil und manchmal auch voller Fehler ist und dessen Weiterentwicklung oft weit mehr kostet, als es die initiale Realisierung tat. Dabei hätten einfache Fragen, eine zweite Meinung oder ein Blick hinter die Kulissen vor einem Schaden bewahren können.

Warum gibt es überhaupt „Kunden“?

Viele scheinen zu vergessen, aus welchem Grund ein Unternehmer überhaupt zum Kunden wird und sich an einen Dienstleister wendet:

Er hat ein Problem und wünscht sich eine Lösung.

Viele sehen dabei nur eine willige „Cash-Cow“, die gemolken werden möchte und das möglichst effektiv und lange.
So entstehen Systeme, manchmal mit schwindelerregend hohem Einsatz von Ressourcen (Geld, Personal und/oder Zeit), die am Ende, wenn überhaupt, nur für einen kurzen Moment helfen.
Sie sind wie Schmerztabletten bei einem gebrochenen Arm; helfen für den Moment, lösen aber nicht das Problem.

Das bedeutet keineswegs, das solche Hilfsmittel oder Prototypen kein gutes Mittel sind. Manchmal ist es richtig und wichtig, schnell an den Markt zu gehen. Vorausgesetzt, beide Seiten wissen um die Halbwertzeit des Softwaresystems und auch darum, dass es meistens keine dauerhafte Lösung ist.

Ehrliches Miteinander

Jeder hat irgendwann einmal angefangen. Hat sich Wissen angeeignet, es weiter ausgebaut und vertieft. Es ist ein stetiger Lernprozess, der eben solange fortbesteht, wie man seiner Arbeit nachgeht bzw. Software entwickelt.
Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für das eigene Können. Stark vereinfacht kann man es in 3 Stufen einteilen:

Am Anfang der Entwicklung, wenn man zum ersten Mal Code sieht und versucht ihn anzupassen oder gar neu zu schreiben, beginnen wohl alle mit Stufe 1:

Ich habe keine Ahnung und weiß auch nicht genau was ich da tue.

Mit den ersten Erfolgen und Erfahrungen im Umgang mit Code, kleineren Umsetzungen, die sich nicht mehr nur an Vorlagen (Tutorials oder Lehrbüchern) entlang hangeln, gelangt man zu Stufe 2:

Ich denke ich bekomme das irgendwie hin.

Viele Wiederholungen, schlaflose Nächte und diversen Projekten mit unterschiedlichsten Anforderungen später gelangt man schließlich zu Stufe 3:

Ich weiß was ich tue und wie ich es umsetzen kann.

Viele der sogenannten „Experten“ warten mit großartigen Versprechen und unglaublichen Argumenten auf. Schnelle Umsetzung, günstiger Preis, nur Experten und alle haben mehr als genug Erfahrung für die Realisierung des Projektes.

Leider sind viele dabei moralisch sehr flexibel und für die Einstufung als „Experte“ reicht es oft aus, schon einmal den Code des Systems gesehen zu haben, das realisiert werden soll. Die Menge an Experten besteht dann zumeist aus Entwicklern der Stufe 1 oder Stufe 2. Potential, ja, Erfahrung, nein.

Kaum jemand ist fair genug zu sagen, das die Erfahrung fehlt, man sich aber zutraut, gemeinsam an einem Projekt zu wachsen und zu lernen. Zu groß ist der kaufmännische Drang, Geld zu verdienen. So beginnt ein Projekt mit „Experten“ die keine sind und statt konstruktiven Gesprächen, wie man das System weiter verbessern kann, folgt eine Eskalation der anderen, mit dem Ziel, dass das System überhaupt läuft.

Nicht mit uns!

Für manch einen Kaufmann mag es das tägliche Brot sein, für uns ist es keine Option. Auf Augenhöhe und gemeinsam ein Projekt zu realisieren bedeutet für uns, dass man um die Schwächen des anderen weiß und sie nicht versteckt oder gar verheimlicht, wenn sie sich offenbaren.

Es ist nicht das Ziel von Woche zu Woche zu eskalieren, sondern konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten um eine Win-Win-Situation zu schaffen. Gemeinsam wollen wir das Projekt zum Erfolg bringen und eine nachhaltige Lösung schaffen, die auch morgen noch bestand hat.